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Sonntag, 7. März 2010

Kurz zur Vorgeschichte

Der Gedanke, mich selbständig zu machen, kam mir das erste Mal etwa im Jahre 2003. Zu der Zeit war ich an einer deutschen Universität als wissenschaftlicher Angestellter tätig. Das größte Problem von wissenschaftlichen Angestellte ist, dass sie eben leider nicht machen können, was sie wollen, bzw. als vernünftig erachten. Um diese bedauerliche Lage zu ändern, muss man irgendwann Professor werden. In der Theorie geht das nur dann, wenn man eigene, herausragende wissenschaftliche Ergebnisse vorzuweisen hat. Und genau der Weg dahin wurde mir mal wieder blockiert.

In der Praxis (was mir damals in der Form gar nicht bewusst wurde) führt der Weg zur Professur natürlich nur über Einschleimen bei den "richtigen" Leuten. Das war nicht meine Stärke. Ich weiß, wann ich bei fachlichen Fragestellungen im Recht bin, und verteidige dies auch vehement. Die Einladungen als "invited speaker" zu wichtigen internationalen Tagungen und meine Publikationen in respektablen Fachzeitschriften schienen mir dabei Recht zu geben. Damals, wie später (bis 2007).

Fakt war jedoch, ich hatte eine befristete Stelle wie immer, und meine Zukunft hing von einem beantragten Projekt ab. Auch nichts Neues, das hatte ich schon fünf mal hinter mir. 60 % meiner bis dahin eingereichten Anträge wurden bewilligt, und viermal gab es Arbeitslosengeld, um abgelehnte Anträge neu zu schreiben und einzureichen. Aber damals (2003) war es anders, ich reichte denn zusammen mit Chef einen richtig dicken Antrag für ein DFG-Schwerpunktprojekt ein. Mein Teil wurde bewilligt, der von Chef nicht.

Alles klar - ich drin; Chef raus. Denkste. Ich erfuhr erst später, was alles im Hintergrund abgelaufen war, damit ich trotzdem nur halber Projektleiter wurde. Chef setzte mittels guter Beziehungen durch, dass ein Teil der abgelehnten Fragestellungen im Bewilligungsbescheid an zentrale Position gerückt wurden.

Eines wurde mir dadurch sehr deutlich signalisiert: Ein Assistent, der mehr Prestige einfährt als sein Chef - das geht nicht. Und das wurde mir in der Folgezeit auch sehr klar aufgezeigt. Um eine Geschichte kurz zu machen, mit der man ein ganzes Buch füllen könnte: ich fragte mich zu dem Zeitpunkt das erste Mal, was ich denn eigentlich noch kann, außer an der Uni Assistent zu sein.

Viel war es nicht, was dabei herauskam.

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